Tag 1: Hitze & Geschichte

Zwei Busse und ein zehnminütiger Fußweg trennen meine Unterkunft von der Faculty of Business Administration in foreign languages (FABIZ), wo ich heute mein erstes Interview führe. Die sengende Hitze Bukarests, ein ständiger Begleiter. In dem Universitätsgebäude ist es kaum kühler, dafür menschenleer. Die Studierenden sind in den Sommerferien und der Fakultätsportier scheint merklich verwundert von meinem Eintreten. Wenige Minuten später trifft Corina Murafa ein und führt mich in ihr Büro. Die Public-Policy-Expertin und Hochschuldozentin in den Bereichen Klima, Energie und Nachhaltigkeit hat sich sowohl national als auch international mit ihrer Forschung zu Energiearmut und Energiepolitik in Rumänien einen Namen gemacht. Wie sie Rumäniens Spitzenergebnis im CCPI als auch der derzeitige Energienotstand im Land hinsichtlich ihrer Forschung dazu einordnet, besprechen wir über die kommenden einenthalb Stunden.

Die Energie- und Klimaexpertin erzählt von ihrer Feldarbeit zu Energiearmut im Nordwesten Rumäniens und gibt mir einen Einblick in die Geschichte des Landes, die laut Murafa den Energiebereich bis heute stark geprägt habe. Das Vermächtnis der Ceaușescu-Ära sei in der Infrastruktur, dem Arbeitsmarkt und den politischen Entscheidungen hinsichtlich Energie- und Klimaschutzmaßnahmen sichtbar. Das wirke sich positiv wie negativ auf die heutige Klimabilanz Rumäniens aus.

Beim Verlassen des Fakultätsgebäudes schlägt mir die heiße Luft der versiegelten Innenstadt mit einer Wucht entgegen, die ich mich sofort in den nächstgelegenen Schatten flüchten lässt. Für mein nächstes Interview habe ich mich in einem Park zehn Minuten entfernt von dem Universitätsgebäude mit einer Studentin verabredet. Die aus Bukarest stammende Rumänin ist eine Bekannte eines Bekannten einer Bekannten, die uns bereits vor meiner Reise connected hat. Von ihr möchte ich wissen, wie sie die Energie- und Klimapolitik im Land wahrnimmt, ob sie sich aufgrund des landesweiten Notstandes Sorgen macht und welche Maßnahmen sie sich von der Regierung wünscht.

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Rumänien: Der „Aufsteiger“ in der Klimabilanz des CCPI-Berichts 2026