Von Industrieviertel zur Vorzeige Stadt
Mein letzter Recherchetag führte mich über den Öresund nach Malmö, nur eine kurze Zugfahrt von Kopenhagen entfernt. Wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt dort direkt am Wasser Västra Hamnen. Moderne Wohnhäuser, begrünte Innenhöfe und eine lange Uferpromenade prägen heute das Bild. Kaum etwas erinnert auf den ersten Blick daran, dass sich hier früher eines der wichtigsten Industriegebiete der Stadt befand. Über viele Jahrzehnte bestimmten vor allem die Werften von Kockums das Gebiet. Mit dem Niedergang der Industrie begann schließlich die Suche nach einer neuen Zukunft für das ehemalige Hafengelände.
Den Anfang des neuen Västra Hamnen machte 2001 die europäische Wohnbauausstellung Bo01. Unter dem Motto „City of Tomorrow“ sollte hier gezeigt werden, wie ein modernes Stadtviertel nachhaltiger gestaltet werden kann. Energieversorgung, Architektur, Verkehr, Grünflächen und der Umgang mit Regenwasser wurden dabei gemeinsam gedacht. Ein wichtiges Ziel war, den Energiebedarf des neuen Quartiers über erneuerbare Energiequellen zu decken.
Unübersehbar über dem Viertel erhebt sich heute der Turning Torso. Der vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene Wolkenkratzer wurde 2005 fertiggestellt und erreicht mit seinen 54 Stockwerken eine Höhe von 190 Metern. Besonders auffällig ist seine Form: Vom Sockel bis zur Spitze dreht sich das Gebäude um 90 Grad. Der Turning Torso wurde damit nicht nur zum Wahrzeichen von Västra Hamnen, sondern auch zu einem Symbol für den Wandel Malmös – von der früheren Industrie- und Werftstadt hin zu einer modernen und stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Stadt.
Doch der Klimagedanke von Västra Hamnen zeigt sich weniger in seinem berühmtesten Gebäude als in der Gestaltung des gesamten Viertels. Viele Wege lassen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Grünflächen und begrünte Dächer verbessern das Stadtklima und können Regenwasser zurückhalten. Ein Teil des Niederschlags wird zudem über offene Rinnen und Kanäle abgeleitet. Gerade bei stärkeren Regenfällen können solche Lösungen dazu beitragen, die Kanalisation zu entlasten und das Risiko von Überschwemmungen zu verringern.
Auch die Lage direkt am Öresund macht deutlich, warum neben dem Klimaschutz die Anpassung an den Klimawandel eine immer größere Rolle spielt. Küstenstädte wie Malmö müssen sich langfristig mit steigenden Meeresspiegeln, Starkregen und anderen Folgen eines sich verändernden Klimas auseinandersetzen.
Västra Hamnen zeigt damit, wie aus einer ehemaligen Industriefläche ein neues Stadtviertel entstehen kann, in dem Wohnen, Freizeit und nachhaltige Stadtentwicklung miteinander verbunden werden.