Rumänien: Achtung, Einsturzgefahr!

Wer durch Bukarest spaziert, sieht an vielen Gebäuden rote Punkte. Das heißt, sie würden im Falle eines Erdbebens Großteils einstürzen. Die Immobilien dürfen nicht vermietet werden, Kurzzeitvermietungen machen sich das zu Nütze.

Geht man an Bukarests großen Straßen entlag, finden sich am Straßenrand viele Cafés. Die Leute sitzen draußen, es leuchtet ein, warum Bukarest das Paris des Ostens sein soll. Ich sage einem rumänischen Freund, dass die Cafés sehr schön sind. Seine Antwort: Ja, aber die Gebäude sind alle einsturzgefährdet. Die roten Punkte, die darauf hinweisen sollen, werden hier auf der Rückseite der Gebäude angebracht. Mein Freund G würde niemals in so ein Gebäude ziehen oder dort länger Zeit verbringen. Er studiert Medizin, auch seine Uni ist einsturzgefährdet, erzählt er. Er steht nicht bei den Außenwänden, sie könnten umkippen, sagt er.

In den 1980er bis 1990 gab es in Rumänien immer wieder starke Erdbeben, auch mit mehr als 1000 Toten. Ausgangspunkt ist häufig die Region Vrancea im Osten von Rumänien. In Bukarest gibt es große Angst vor Erdbeben.

“Clàdire expertizată tehnic încadrată în CLASA I RISC SEISMIC” — Deutsch: „Gebäude technisch begutachtet und in die KLASSE I ERDBEBENRISIKO eingestuft”

2022 wurde in Rumänien ein Gesetz eingeführt, um eben dieses Erdbeben Risiko einzustufen. Klasse I bedeutet, das Gebäude ist im Fall eines Erdbebens komplett oder teilweise einsturzgefährdet — inklusive menschlichen und materiellen Verlusten. Insgesamt gibt es vier Klassen. Die zugehörige Liste an evaluierten Gebäuden ist öffentlich einsehbar. Allerdings: Es fehlt an Assessorinnen und Assessoren, die Gebäude in Bukarest wurden noch nicht alle evaluiert.

Auch das Medium Al Jazeera wies in einer Reportage 2024 daraufhin, dass dieses hohe Einsturzrisiko viele Immobilien betrifft, die auf Plattformen, wie Booking.com billig und mit Betonung auf “bester Lage” vermietet werden.

Es wurde 2024 eigentlich verboten, dass Wohnungen in diesen Gebäuden vermietet werden. Man findet sie trotzdem auf lokalen Mietplattformen. Laut Al Jazeera werden diese Apartments teilweise ausschließlich an Tourist:innen über Booking.com oder ähnliche Plattformen vermietet.

Der “Brunnen” am Piața Unirii.

Meine Freund:innen erzählen mir auch der Brunnen am Piața Unirii ist deshalb geschlossen. Akute Einsturzgefahr. Eigentlich eine tolle Sehenswürdigkeit, aber ein Relikt, dass die Rumän:innen an die Ceaușescu-Diktatur erinnert. Der Platz wurde 1977 nach dem großen Erdbeben mit rund 1.500 Toten renoviert. Es ist das lokale Equivalent der französischen Champs-Élysées — nur gebaut von einem Diktator ohne Vorsicht und Rücksicht auf Bevölkerung und Infrastruktur.

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