Tag 1: Insights in Serbiens Energiewirtschaft

Ich bin heute mit allerhand Fragen im Gepäck in Belgrad gelandet. Mein Thema für die kommende Woche: grüner Wasserstoff. Ich will wissen, welche Rolle ein Land wie Serbien in Europas Energiezukunft spielen kann. Auf den ersten Blick eine überraschende Wahl, denn Serbien hat noch keine nationale Wasserstoffstrategie und gewinnt seinen Strom bis heute überwiegend aus Kohle. Genau das macht es so spannend.

EU-Wasserstoffstrategie

Für die EU ist das Thema hochrelevant. Bis 2030, so steht es schwarz auf weiß, sollen die EU-Länder zehn Millionen Tonnen grünen Wasserstoff selbst produzieren und ebenso viel importieren. Er gilt als eine der großen Hoffnungen, um Europas Industrie klimafreundlich und zugleich wettbewerbsfähig zu halten: Grüner Wasserstoff funktioniert dort, wo Strom allein nicht reicht – in der Stahl- und Chemieproduktion etwa – und kann fossile Importe ersetzen. Aber der Aufbau stockt fast überall. Die Produktion ist teuer, die Infrastruktur fehlt, und die installierten Kapazitäten liegen weit hinter den Zielen. In einigen Regionen aber entsteht gerade das, was anderswo scheitert. Ich will vor Ort verstehen, woran das liegt.

Wichtige Insights

Um einen ersten Überblick über lokale Bewegungen und Motive zu bekommen, habe ich heute die österreichische Journalistin Lucia Steinwender getroffen. Sie berichtet seit zwei Jahren aus Belgrad und beschäftigt sich hier mit Umweltthemen. Sie konnte mir bei der Einordnung helfen und hat mir einige Empfehlungen für lokale Organisationen gegeben, die ich bereits angefragt habe.

Den restlichen Tag habe ich genutzt, um mich weiter einzulesen und auf die kommenden Gespräche vorzubereiten. Auf meiner Liste stehen Projektbeteiligte, Umweltorganisationen, Vertreter*innen von Entwicklungsbanken und Menschen, die die serbische Energiewende aus der Nähe kennen. Denn eines habe ich schon vor der Reise gelernt: Zwischen dem ambitionierten Plan auf dem Papier und der Realität vor Ort klafft oft eine Lücke. Wie groß sie in Serbien ist, will ich in den nächsten Tagen herausfinden.

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