Tag 4: Zwischen AI Act und Brutalismus
An meinem vierten Recherchetag hat sich alles darum gedreht den Europäischen AI Act und dessen risk-based approach besser zu verstehen. Dafür habe ich mich mit dem Wissenschaftler Maciej Otmianowski getroffen, der an der Vrije Universiteit Brussel (VUB), also der freien Universität Brüssel, Teil der Law, Science, Technology and Society Research Group (LSTS) ist und Managing Director des Brüsseler Laboratory for Data Protection und Privacy Impact Assessments.
Der VUB-Campus
Nach einer morgendlichen Arbeitssession im Parlament - natürlich an meinem Lieblingsplatz - habe ich mich mit dem 95er Bus in Richtung „Wiener“ auf den Weg zur VUB gemacht. Die VUB ist die größte niederländischsprachige Universität in Brüssel und befindet sich im beliebten Stadtteil Ixelles, nur 20 Minuten vom Place du Luxembourg entfernt.
Aus dem Bus ausgestiegen, begann auch schon das typische Nieseln. Nach vier Tagen voller plötzlicher Wetterwechsel war ich daran aber mittlerweile gewöhnt. Durch einen kleinen Park, der Teil des Unigeländes ist, erreichte ich schließlich das kleine Campus-Café „Bar Buna“, in dem ich mich mit Maciej Otmianowski verabredet hatte. Umgeben von Studierenden, die zusammen lernten und den massiven, brutalistisch anmutenden Universitätsgebäuden konnte man sich dort gut über EU-Regulierung austauschen.
Maciej Otmianowski im Café “Bar Buna”
In einem lockeren Setting erzählte mir Otmianowski von seiner akademischen Arbeit, aber auch von seinen Erfahrungen in einem Legal-Tech-Start-up. Dort war er an der Entwicklung einer Methode zur Bewertung von Datenschutzrisiken beteiligt, die anschließend in einer Softwarelösung eingesetzt wurde. Für meine Recherche war gerade diese Kombination aus wissenschaftlicher und unternehmerischer Perspektive besonders spannend. Wir sprachen zum Beispiel darüber, wie sich abstrakte Konzepte wie Datenschutz, Nichtdiskriminierung und der Schutz von Grundrechten in regulatorische Vorgaben und technische Prozesse übersetzen lassen und wo der AI Act dabei an seine Grenzen stößt. Besonders spannend war die Frage, welche Herausforderungen entstehen, wenn Unternehmen die Risiken ihrer eigenen KI-Systeme selbst bewerten müssen.
Nach unserem fast eineinhalbstündigen Gespräch blieb ich noch ein bisschen auf dem Campus, bevor ich zurück ins Parlament fuhr. Hier verbrachte ich den restlichen Nachmittag und Abend damit, Videos für mein geplantes Reel über Hass im Netz und Gender Bias durch KI aufzunehmen. Danach verließ ich schließlich das Parlament und mischte mich unter die Menschenmenge am gegenüberliegenden „Plux“, wo jeden Donnerstag das berühmt-berüchtigte Afterwork der Brüsseler EU-Bubble stattfindet.
Morgen steht nun schon mein letzter Recherchetag an und damit auch mein letztes Interview, diesmal mit einer Tech-Journalistin. Ich bin schon gespannt. Wir hören uns!