Bonjour, Paris!
Tag 1:
Ankommen, auspacken und mir einen Überblick über die Arrondissements verschaffen – das Motto für meine ersten Abendstunden in Paris. Denn bevor ich mich in den kommenden Tagen mit dem Wohnungsmarkt, Tourismus und Stadtentwicklung beschäftige, möchte ich verstehen, wie diese Stadt überhaupt aufgebaut ist.
Obwohl ich die Innenstadt erst am späten Nachmittag erreiche, nimmt mich das schnelllebige Großstadtgewusel sofort ein. Kein Wunder: Die Direktverbindung vom Flughafen führt mich an den Gare du Nord, den größten Bahnhof der Stadt und einen der verkehrsreichsten Bahnhöfe Europas.
Der Gare du Nord
Mein Hotel liegt nur wenige Gehminuten vom besagten Gare du Nord und auch vom Gare de l’Est entfernt, im 10. Arrondissement der Stadt. Der Bezirk war lange stark von den beiden Bahnhöfen geprägt, in den vergangenen Jahren haben sich einige seiner Viertel aber zunehmend zu lebendigen Szenevierteln entwickelt. Genau solche Prozesse – die Veränderung der Bezirke und ihrer Viertel, die Rolle von Investitionen und die Frage, wer in einer Stadt des Wandels überhaupt seinen Platz behalten kann – werden mich in den kommenden Tagen begleiten. Bevor die eigentliche Recherche beginnt, verschaffe ich mir deshalb einen ersten Überblick über die räumliche Struktur von Paris und mache mich mit den 20 Arrondissements vertraut.
Bei einem abendlichen Spaziergang zeigt sich zudem, wie zu erwarten, ein weiterer Schwerpunkt meiner Recherche: der Tourismus. Vor allem in den inneren Arrondissements sehe ich auch am Abend noch unzählige Tourist:innen, die Fotos von den Wahrzeichen machen oder sich auf den Booten tummeln, die über die Seine gleiten. Gleichzeitig stellt sich für mich aber die Frage, welche Auswirkungen die internationale Attraktivität der Stadt auf jene hat, die Paris dauerhaft bewohnen – und was das mit dem Wohnraum, den Mietpreisen und der sozialen Zusammensetzung der Viertel macht.
Tourist:innen bei ihrer Bootstour
Außerdem fällt mir auf, dass die Olympischen Sommerspiele 2024 im Stadtbild weiterhin präsent sind. Im Jardin des Tuileries kann nämlich den ganzen Sommer über die Olympische Feuerschale, eine Erinnerung an die Spiele von 2024, besichtigt werden – eine beeindruckende Konstruktion mit Wassernebel und einem riesigen Ballon. Ein guter Ausgangspunkt – denn im Zuge meiner Recherchereise werde ich mich noch damit beschäftigen, welche langfristigen Spuren die Olympischen Spiele im Pariser Stadtbild hinterlassen haben.
Die Olympische Feuerschale im Jardin des Tuileries
Den restlichen Abend verbringe ich schließlich damit, meinen Plan für die nächsten Tage noch einmal anzupassen, nachdem ich kurzfristig leider ein paar Interview-Absagen erhalten habe. Der erste Tag hat mir aber bereits eine gute Orientierung gegeben, bevor die Gespräche und Erkundungen vor Ort beginnen. Dabei endet mein erster Abend in Paris mit einer zentralen Frage im Kopf: Wie verändern steigende Wohnkosten, Tourismus und städtebauliche Aufwertungsprozesse Paris – und was bedeuten diese Veränderungen für die soziale Vielfalt und das Leben der Menschen, die dort wohnen?