Tag 3: Adjö Kiruna

Auch heute war das Wetter in Kiruna nicht auf meiner Seite. Über Nacht hatte sich dichter Nebel über die Stadt gelegt, dazu kam Nieselregen. Eigentlich wollte ich den letzten Vormittag nutzen, um noch ein paar Fotos zu machen. Doch daraus wurde leider nichts.

Also entschied ich mich spontan für das einzige samische Museum der Stadt zu besuchen. Die Ausstellung ist klein, gibt aber einen guten Einblick in Geschichte, Lebensweise und Kultur der Sámi. Beim Betrachten der Ausstellungsstücke fällt mir ein, was Lars-Marcus Kuhmunen mir tags zuvor gesagt hat: Statt Museen über die Sámi zu errichten, solle man lieber dafür sorgen, dass die Kultur der lebenden Sámi erhalten bleibt.

Die Ausstellung des Sami Museums in Kiruna.

Spannungsfeld

Der Satz beschreibt das Spannungsfeld, in dem diese Reise steht. Für die EU bedeutet die Förderung Seltener Erden ein Stück Unabhängigkeit von China. Für die Rentierhalter rund um Kiruna kann sie das Ende einer Lebensweise bedeuten, die es seit Jahrhunderten gibt. Beides ist gleichzeitig wahr und hat seine eigene Berechtigung, und genau das macht die Frage so schwierig.

Am Nachmittag reise ich weiter nach Stockholm. Dort habe ich Termine mit Organisationen, die sich mit genau diesem Konflikt befassen.  Ob ein friedliches Nebeneinander möglich ist, weiß ich nach diesen Tagen weniger sicher als davor. Aber ich will wissen, wer in Schweden überhaupt versucht, darauf eine Antwort zu geben.

Während des Rückflugs wird das Wetter langsam besser.

Weit weg

Angekommen nehme ich den Bus in die Innenstadt. Wegen des dichten Verkehrs dauert die Fahrt doppelt so lange wie geplant, und so komme ich mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch. Ich erzähle ihr von meiner Recherche zu den Seltenen Erden. Sie hört zu, dann fragt sie nach, was das eigentlich sei. Damit ist sie nicht allein. Fast niemand, mit dem ich auf dieser Reise ins Gespräch gekommen bin, hatte den Begriff je gehört.

Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieses Tages: Die Seltenen Erden sind weit von der Lebensrealität der meisten Menschen entfernt, bestimmen jedoch die Zukunft einiger wenigen.

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Von geliehen Fahrrädern und Sensen