Von geliehen Fahrrädern und Sensen
Auf meine Ankunft sollte eigentlich direkt eine Kajakfahrt folgen. Eine, bei der man nichts zahlt, wenn man dafür während der Fahrt nebenbei auch ein bisschen Müll aus dem Kanal fischt. Nun, dass Dänemark in Sachen Nachhaltigkeit gegenüber anderen EU-Ländern die Nase weit vorne hat, ist bekannt. Wenn auch nicht ganz, so sind die Dänen zumindest am nächsten dran, die Pariser Klimaziele zu erreichen (siehe hier). Da überrascht es nicht, dass es hier auch eine Initiative gibt, die Touristen zu nachhaltigem und klimaschonendem Verhalten motivieren soll.
CopenPay wurde im Sommer 2024 als einmonatiges Pilotprojekt in Kopenhagen gestartet. Nach dem großen Erfolg ging es 2025 in die zweite Runde und wurde im Juni 2026zu einem dauerhaften, ganzjährigen Angebot ausgebaut. Hinter der Initiative steht Wonderful Copenhagen, die offizielle Tourismusorganisation Kopenhagens. Seit 2026 ist das Programm unter dem Namen DestinationPay auch für die Adaption durch andere Destinationen offen. Mehrere offizielle Tourismusorganisationen – darunter in Deutschland visitBerlin und Bremen Tourismus – haben es in diesem Jahr bereits für einen Aktionsmonat umgesetzt.
Das klingt so weit ganz gut. Doch wie viel kann so eine Initiative tatsächlich bewirken? Um das zu beantworten, teste ich CopenPay während meines Aufenthalts selbst. Die geplante Kajakfahrt mit „GreenKayak“ fiel aufgrund des Wetters ins Wasser. Und so machte ich stattdessen von einem anderen Angebot Gebrauch: 60 Prozent Rabatt auf ein Leihfahrrad. Damit erkundete ich Kopenhagen – eine Stadt, in der man auf zwei Rädern sowieso am besten unterwegs ist.
An Tag zwei ging es dann schon etwas abenteuerlicher zu. Ich fuhr, diesmal mit der U-Bahn, in den Naturpark Amager. Mads Madsen, auf der Insel geboren und aufgewachsen, hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten dem Kampf gegen die Kanadische Goldrute verschrieben. Einst für den Anbau als Teepflanze nach Dänemark gebracht, hat sie sich mittlerweile zu einer invasiven Art entwickelt, die heimische Pflanzen verdrängt. Madsen versucht, ihr zumindest manuell etwas Einhalt zu gebieten. „Auch wenn es eine Sisyphusarbeit ist“, sagt er.
Über CopenPay kann man ihn dabei unterstützen und selbst Hand anlegen. Heißt praktisch: Man wird in die traditionelle Kunst des Sensens (hergestellt in Österreich) eingeführt. Was man davon als Tourist:in hat? Madsen, der hier schon sein ganzes Leben lang lebt, führt im Gegenzug durch den Naturpark Amager, der von flachen Wiesen über Wälder bis hin zu Küstenabschnitten alles zu bieten hat – samt Anekdoten und viel Insiderwissen. Ein Einblick, den man als temporärer Besucher der Gegend wohl nur selten bekommt.