Tag 1: Die Mini Bar in Tamburi

Ich komme in der süditalienischen Hafenstadt Taranto an und es herrschen sommerliche Temperaturen. Nach dem Check-in im Hotel geht es direkt weiter nach Tamburi – jenem Viertel, das unmittelbar an das größte Stahlwerk in Europa grenzt. Das Werk war jahrzehntelang unter dem Namen ILVA bekannt und wird auch heute noch im Alltag so genannt. Heute wird es von Acciaierie d’Italia betrieben, einem Stahlunternehmen, das aus der früheren ILVA hervorgegangen ist.

In der “Mini Bar” in Tamburi treffe ich meine ersten beiden Interviewpartner. Die Bar gilt seit Jahrzehnten als Treffpunkt des Viertels. Ich spreche lange mit dem Inhaber Ignazio. Er wurde durch seine Benefizaktion „Ie Jesche Pacce Pe Te“ bekannt – im Tarentiner Dialekt bedeutet das „Ich bin verrückt nach dir“. Dieser Spruch wurde auf zahlreiche T-Shirts gedruckt, die anschließend verkauft wurden. Die Initiative entstand rund um Freund:innen und Besucher:innen der Bar. Die italienische Journalistin Nadia Toffa machte im Zuge ihrer ILVA-Berichterstattung die Aktion landesweit bekannt. Die hunderttausend Euro an Spenden halfen dabei, in Taranto eine pädiatrische Onkohämatologie aufzubauen, damit krebskranke Kinder nicht für jede Behandlung weit wegreisen müssen, wie mir Ignazio erklärt.

Ignazio, der Betreiber der Mini Bar

Außerdem interviewe ich Mirko, der von 2002 bis 2018 im Stahlwerk gearbeitet hat, wo man permanent Schadstoffen ausgesetzt ist, wie er erzählt. Mehrere von Mirkos ehemaligen Kollegen sind jung an verschiedenen Krebsarten gestorben, er selbst hatte mit 43 Jahren einen Herzinfarkt. Mirko hat jedenfalls schon früh gegen die Zustände im Werk demonstriert. Dafür wurde er auch immer wieder von Kollegen kritisiert. Heute sind ihm viele von ihnen dankbar.

Später fahren wir noch mit Mirkos Auto durch Tamburi und er zeigt mir einige Plätze, und wir sprechen über den Konflikt zwischen Arbeitsplätzen und Gesundheit. Bis 28. Oktober muss nach einer Gerichtsentscheidung die sogenannte „area a caldo“ des Stahlwerks stillgelegt werden – also jener Teil der Anlage, in dem Roheisen und Stahl produziert werden. Mirko ist sich jedoch nicht sicher, ob das tatsächlich passieren wird. Denn in der Vergangenheit wurden schon öfters Entscheidungen verschoben.

Teile des ILVA-Stahlwerks

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Tag 1: Over and out…

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