Tag 3: Umwege durch Barcelona
Im Reporterinnenleben läuft nie alles so, wie man es geplant hat, das merke ich spätestens am dritten Tag in Barcelona. Der Tag startet mit einer Mail von Zac, er ist krank und muss unseren Interviewtermin spontan verschieben. Ich versuche noch, ein persönliches Treffen stattfinden zu lassen, aber wir landen auf einem Online-Interview nächsten Montag. Nach einem kurzen Frühstück entscheide ich mich aber trotzdem, zu dem Ort zu gehen, wo wir uns getroffen hätten: Mescladís del Pou. Ein kleines Restaurant in der Innenstadt von Barcelona. Es ist eines von fünf Restaurants der Non-Profit-Organisation Mescladís. Die Organisation unterstützt seit über 20 Jahren Migrantinnen und Migranten bei der Arbeitssuche, durch unterschiedliche Wege, unter anderem eigene Ausbildungsprogramme. Dabei erfolgt die Finanzierung ihrer Programme zu 71 Prozent aus der eigenen Gastronomie. Mescladís war eine von mehreren Organisationen, die während des Regularisierungsprozesses befugt war, Migrantinnen und Migranten durch den Prozess zu begleiten und Dokumente auszustellen. Angekommen bestelle ich ein Sandwich und komme mit dem Kellner ins Gespräch. Er kommt aus Katalonien und arbeitet seit fünf Jahren in dem Restaurant, auch er hat seine Ausbildung über die Organisation absolviert. Ich will weiter nachfragen, aber die Sprachbarriere macht es schwer.
Mein zweites Interview des Tages wird glücklicherweise nicht verschoben und findet in einer kleinen Bar 40 Minuten von mir entfernt statt. Ich treffe mich mit Candelaria, sie ist Tourguide bei Migrantour, einem sozialen Tourismusprojekt. In circa zweistündigen Rundgängen führt sie Teilnehmende durch El Raval, einen Bezirk, geprägt durch Einwanderungsgeschichten, und erzählt dabei von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und der Geschichte der Stadt. Sie selbst kam vor acht Jahren aus Lateinamerika nach Spanien, um zu studieren. Von ihr will ich wissen, wie Einwanderungsgeschichten die Stadt und Spanien prägen, wo dies besonders sichtbar ist und warum die meisten Anträge im Regularisierungsverfahren in Katalonien eingingen?