Tag 4: KI-Zentren und Technologie-Quartiere
Es nieselt, als ich mit dem Bus Richtung Homberg fahre. Meine ersten drei Tage in Duisburg waren noch von der Spätsommer-Sonne geprägt, aber heute spürt man, das langsam Herbst wird. Bis 1975 war das linksrheinische Homberg noch eine eigene Stadt, heute ist es ein Stadtteil von Duisburg. In der Bürgerservice-Station Homberg, in der auch die Bezirksvertretung sitzt, treffe ich heute Katrin Pinkwart und Benjamin Wenderlich. Wenderlich ist Wirtschaftsreferent der Stadt, Pinkwart leitet das Projektbüro Duisburg des 5-Standorte-Programms.
Die Bürgerservice-Station in Duisburg-Homberg.
Das 5-Standorte-Programm, das ist sowas wie die Antwort des Landes Nordrhein-Westfalen auf den Kohleausstieg. Im Zuge des Programms werden, wie der Name unschwer erkennen lässt, fünf Standorte gefördert, die besonders vom Kohleausstieg betroffen sind. Wegen dem Kohlekraftwerk Walsum, dass bis 2038 stillgelegt werden muss, ist auch Duisburg Teil des Programms. Die anderen Standorte sind Gelsenkirchen, Herne, Hamm und der Kreis Unna. Das Ziel: Arbeitsplätze schaffen, die Wirtschaft stärken und das ganze möglichst nachhaltig und innovativ.
Insgesamt sind über 600 Millionen Euro im Fördertopf. Die Arbeit des Projektbüros in Duisburg besteht darin, das Geld aus dem Topf nach Duisburg zu holen. Bei etwa 120 Millionen Euro ist das bereits gelungen. Dafür schreibt das Team um Pinkwart Förderanträge, entwickelt Konzepte und bemüht sich um Partnerunternehmen. Im Entstehen begriffen sind so unter anderem schon ein Zentrum für angewandte Künstliche Intelligenz, ein 3D-Druckzentrum und ein Technologiequartier auf dem Areal eines ehemaligen Bahnausbesserungswerks in Wedau-Nord. Dort sollen Forschungseinrichtungen und technologieaffine Unternehmen in den Sparten Clean Industry, Smart Engineering und Data Technology angesiedelt werden, erzählt Pinkwart.
Ein dezidiertes Ziel des 5-Standorte-Programms ist auch, bereits bestehende Arbeitsplätze zu sichern. Wie genau das geschieht, darauf geben mir Pinkwart und Wenderlich allerdings keine konkreten Auskünfte. Es werden aber viele neue Arbeitsplätze entstehen, versichern sie mir. Der Kesselwärter aus dem Kohlekraftwerk wird im KI-Zentrum aber wohl später keine Arbeit finden.
Und die Stahlarbeiter, die gerade um ihre Jobs zittern? Um die geht es beim 5-Standorte-Programm nicht. Auch die bevorstehende und dringend notwendige grüne Transformation in der Stahlindustrie wird nicht gefördert. Es geht eher darum, neue und zukunftsfähige Industrien in Duisburg anzusiedeln und zu stärken, erklärt Wirtschaftsreferent Wenderlich. Gibt es Anzeichen dafür, ob das bisher erfolgreich ist, Unternehmensneugründungen oder neue Arbeitsplätze etwa? Ja, sagt Pinkwart, da gibt es genaue Zahlen, aber die habe sie gerade nicht bei Hand. Sie werde sie nachreichen.