Tag 4: The Original Copenhagen Experience
Kaffee in der Hand, Frühstück auf dem Tisch, Kinder daneben, der Hund unter dem Sessel - und das alles draußen. Wer wissen will, wo sich das Leben in Kopenhagen abspielt, muss eigentlich nur durch die Straßen gehen. Obwohl Anfang Oktober nicht gerade Hochsommer herrscht, sind die Plätze vor den Cafés voll. Überhaupt wirkt vieles hier erstaunlich entspannt: Junge Menschen sitzen zusammen, Familien sind unterwegs, Hunde sowieso - und irgendwie gehört alles ganz selbstverständlich zusammen.
Bereits morgens sind die Straßen voll - nicht nur mit Autos, vor allem mit Radfahrenden und Menschen beim Frühstück in Cafés.
Passend dazu begann mein Tag mit einem Harbour Walk mit Monica Magnussen von der Stadt Kopenhagen. Sie zeigte mir, wie sich der ehemalige Industriehafen zu einem Teil der Stadt entwickelt hat, in dem heute gewohnt, gearbeitet, Rad gefahren und sogar geschwommen wird. Ein Gedanke aus unserem Gespräch passt ziemlich gut zu dem, was ich an diesem Morgen selbst beobachten konnte: Gute Lebensqualität bedeutet vor allem ein guter Alltag.
Monica Magnussen von der Stadt Kopenhagen zeigte mir bei einem Spaziergang den neu gestalteten Hafen der Stadt.
Danach stand Kultur auf dem Programm: das Nationalmuseum Kopenhagen. Besonders spannend fand ich die Sonderausstellung rund um die Wikinger und die Völva - eine Seherin beziehungsweise spirituelle Figur der Wikingerzeit, der besondere Fähigkeiten zugeschrieben wurden. Ihre Geschichte wird in der Ausstellung aufwendig inszeniert und lässt einen ziemlich eindrucksvoll in die Welt der Wikinger eintauchen.
Die Geschichte um die Seherin Völva aus der Wikingerzeit wird in einer Sonderausstellung auf eindrucksvolle Weise erzählt.
Nach so viel Geschichte war es Zeit für eine Pause. In der Mittagssonne saß ich im Café und habe einfach ein bisschen die Umgebung beobachtet. Und wieder dieser Eindruck: unglaublich viele junge, fröhliche Menschen und eine entspannte Atmosphäre - man fühlt sich einfach wohl und als Teil der Stadt willkommen.
Mittags im Café - Sonne, Cappuccino und eine entspannte Umgebung.
Danach sollte es mit dem Fahrrad zu meinem Interview mit Hanne Kirstine Adriansen von der Danish School of Education gehen. Schließlich bin ich in Kopenhagen - was könnte authentischer sein?
Einfach per App zu mieten - nicht (immer) so einfach, einen passenden Abstellplatz nach der Fahrt zu finden.
Nun ja.
Erste Erkenntnis: Kopenhagen ist doch nicht ganz so flach, wie ich gedacht hatte.
Zweite Erkenntnis: Es ist nicht unbedingt von Vorteil, völlig verschwitzt zu einem Interviewtermin zu erscheinen.
Und dritte Erkenntnis: Ein Fahrrad zu haben bedeutet noch lange nicht, dass man es auch irgendwo abstellen darf.
Eine gute halbe Stunde suchte ich nach diesem verflixten Fahrradparkplatz. Ich konnte das Rad einfach nicht abstellen. Mittlerweile war ich natürlich zu spät, Hanne wartete bereits auf mich und half schließlich sogar bei der Suche. Irgendwann fanden wir den richtigen Platz tatsächlich. Einigermaßen erledigt konnte das Interview dann endlich beginnen.
Eine spannende Erkenntnis nach dem Gespräch mit Hanne Kirstine Adriansen: Orte sollen so attraktiv werden, dass Menschen sie freiwillig wählen.
Zum Glück hat sich die Aufregung gelohnt. Mit Hanne sprach ich darüber, warum junge Menschen kleinere Städte und Regionen verlassen - und was diese tun können, um attraktiv zu bleiben. Eine ihrer Aussagen fand ich besonders interessant: Vielleicht sollten Regionen gar nicht versuchen, ihre jungen Menschen unbedingt „zu halten“. Mobilität sei wichtig. Viel entscheidender sei die Frage, wie Orte so attraktiv werden können, dass Menschen sie später freiwillig wählen - egal, ob sie ursprünglich von dort kommen oder nicht.
Und meine kleine Fahrrad-Odyssee? Hanne bezeichnete sie lachend als „original Copenhagen experience“.
Damit hatte sie vermutlich recht.
Nach den zwei Tagen in der Stadt habe ich außerdem gelernt, dass es beim Radfahren in Kopenhagen eigentlich nur eine Grundregel gibt: Go with the flow! Nicht zu langsam fahren, immer schön rechts bleiben und unbedingt Handzeichen geben, wenn man stehen bleiben möchte. Sonst könnte es unangenehm werden - denn hinter einem kommt ziemlich sicher schon der nächste Radfahrende. Oder zehn.
Meine persönliche Lehre aus dem heutigen Tag lautet trotzdem: In einer fremden Stadt fahre ich nie wieder mit dem Fahrrad zu einem Interviewtermin. Zumindest nicht, wenn ich danach halbwegs professionell aussehen möchte.
Den letzten Abend habe ich schließlich noch einmal in Nyhavn verbracht. Bunte Häuser, Boote, Menschen am Wasser - und Zeit, die vergangenen Tage ein bisschen Revue passieren zu lassen.
Morgen heißt es dann Abschied nehmen von Dänemark und zurück nach Hause. Und nach heute kann ich zumindest behaupten: Kopenhagen habe ich nicht nur gesehen - ich habe es auch erradelt. 😉