Tag 4: Mit dem Falken nach Novi Sad
Am Vormittag nehme ich den chinesichen Zug “Soko” nach Novi Sad. Oder besser gesagt nach Petrovaradin, einem Ort vor dem Zentrum. Dort hält der Zug, weil der Bahnhof von Novi Sad seit der Katastrophe vom 1. November 2024 nicht mehr angefahren wird.
An diesem Tag stürzte die Betonkonstruktion des Vordachs ein und tötete 16 Menschen, darunter ein fünfjähriges Kind. In der Folge kam es zu zahlreichen Protesten gegen den Präsidenten und die im Land herrschende Korruption. Und es wurde auch die Frage in den Raum geworfen, wer in so einem Fall verantwortlich ist. Denn eine chinesische Baufirma hatte bei den erst kurz zuvor abgeschlossenen Renovierungsarbeiten mitgewirkt. Den Bahnhof möchte ich mir ansehen und dort Passanten nach ihrer Meinung befragen.
Außerdem gehe ich an die örtliche Uni, um dort IT-Studentinnen und Studenten zu ihren Zukunftswünschen und -ängsten zu befragen. Es läuft ehrlich gesagt nur solala, ich glaube, ich muss mir noch einen anderen Plan überlegen, um an diese Info zu kommen.
Dafür komme ich im (recht verwirrenden und überaus schlecht ausgeschilderten) Schienenersatzverkehr auf dem Rückweg zum Bahnhof Petrovaradin mit einem politischen Aktivisten ins Gespräch. Er ist Teil jener Studentinnen- und Stidentenbewegung, die nach dem Bahnhofs-Unglück wochenlang zum nationalen Protest und zu Blockaden aufriefen. Er erzählt mir viel über die Grundstimmung junger Menschen im Land, und auch darüber wie sie zu China und der EU stehen.
Erst abends kehre ich zurück nach Belgrade, mein Kopf gefüllt mit vielen neuen Eindrücken und Informationen, die es noch zu hinterfragen und zu recherchieren gilt. Und morgen geht es ja auch schon wieder nach Hause. Daher heute nur ein kurzer Blog-Eintrag.