Tag 5: Ein Ort, an dem man leben will

Regen, Wind und grauer Himmel - mein letzter Tag in Kopenhagen zeigte sich wettertechnisch nicht gerade von seiner besten Seite. Vielleicht war das aber gar nicht so schlecht. Denn nach Tagen voller Termine, Interviews, Eindrücke und ziemlich vieler zurückgelegter Kilometer blieb Zeit, die Reise noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der letzte Tag in Kopenhagen zeigte sich kalt und verregnet. Perfekt, um die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen

Und dabei wurde mir vor allem eines klar: Dänemark liegt mehr als 1.000 Kilometer von Österreich entfernt - die Herausforderungen sind trotzdem erstaunlich ähnlich.

 

In Randers habe ich viel über fehlende Fachkräfte gesprochen. Darüber, dass junge Menschen für ihre Ausbildung in größere Städte ziehen und kleinere Städte vor der Frage stehen, wie sie diese wieder zurückholen können. Über Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiter brauchen - und über qualifizierte Mitarbeiter, die wiederum attraktive Arbeitsplätze suchen.

Doch nach diesen Tagen glaube ich, dass die entscheidende Frage eigentlich eine andere ist:

Wie schaffen wir Orte, an denen Menschen leben wollen?

Denn vielleicht beginnt genau dort alles andere.

Wo Menschen gerne leben, gibt es potenzielle Arbeitskräfte. Wo qualifizierte Menschen leben, wird ein Standort für Unternehmen interessanter. Wo Betriebe entstehen und investieren, entstehen wiederum Arbeitsplätze. Und damit ein Ort attraktiv bleibt, braucht es weit mehr als Arbeitsplätze allein: leistbares Wohnen, gute Schulen, Kultur und Gastronomie, Natur und öffentliche Räume - aber auch eine Mobilität, die im Alltag funktioniert.

Monica Magnussen von der Stadt Kopenhagen hat es während unseres Harbour Walks mit einem Satz ziemlich gut auf den Punkt gebracht: „It's all about balances.“

Kopenhagen hat mir gezeigt, was damit gemeint sein kann. Menschen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, gehen zu Fuß, sitzen draußen, treffen einander an öffentlichen Plätzen oder springen mitten in der Stadt ins Hafenbecken. Bewegung wird nicht unbedingt eigens in den Tagesablauf eingeplant - sie passiert auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum nächsten Termin. Öffentliche Räume sind nicht nur schön anzusehen, sondern werden genutzt.

Und vielleicht ist genau das ein Punkt, den wir manchmal unterschätzen: Menschen brauchen Menschen. Wo sich das Leben draußen und im öffentlichen Raum abspielt, entstehen Begegnungen. Man sieht einander, kommt miteinander ins Gespräch und ist Teil eines gemeinsamen Alltags.

 

Zurück in Österreich muss ich allerdings sagen: Das Miteinander können wir im Salzkammergut schon ziemlich gut. Das gesellige Leben, Vereine, Veranstaltungen und das Zusammensitzen gehören bei uns ganz selbstverständlich dazu.

In anderen Bereichen ist der Abstand zu Dänemark dagegen deutlich spürbar. Wie lange es bei uns am Land noch dauern wird, bis öffentlicher Verkehr, sichere Radwege und alternative Mobilität so selbstverständlich funktionieren wie vielerorts in Dänemark, ist eine andere Frage. Dabei geht es nicht darum, das dänische Modell einfach zu kopieren. Randers ist nicht Bad Ischl und Kopenhagen schon gar nicht. Aber die vergangenen Tage haben mir gezeigt, welchen Unterschied es macht, wenn eine Stadt so gestaltet ist, dass man für viele alltägliche Wege nicht automatisch ins Auto steigen muss.

 

Vielleicht ist das am Ende meine wichtigste Erkenntnis dieser Reise: Eine attraktive Stadt entsteht nicht durch ein einzelnes großes Projekt. Sie entsteht aus vielen kleinen Dingen, die den Alltag besser machen.

Und vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber reden, wie wir Menschen und vor allem junge Fachkräfte dazu bringen können, zu bleiben oder zurückzukommen. Sondern viel öfter darüber, was wir tun können, damit sie sich aus freien Stücken für unsere Region entscheiden.

 

Farvel, Kopenhagen!

Auf Wiedersehen, Dänemark. Ich komme bestimmt wieder!

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