Tag 1: Touchdown in Amsterdam
Der erste Reisetag ist da und die niederländische Hauptstadt empfängt mich mit wunderschöner Herbstsonne. Viel bekomme ich vom tollen Wetter aber zunächst nicht mit, weil sich die Anreise aus Wien langwieriger gestaltet als erwartet. Ein Interview wird deswegen direkt in der Gepäckhalle am Flughafen Schiphol geführt. Zum Glück sind die Niederländer sehr motivierte Videocaller.
Mit dem Bus geht es dann zum Hotel beim Vondelpark. Dort steht am Nachmittag gleich noch ein zweites Gespräch an: mit Eby Liu von der Technischen Universität Eindhoven. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit unter anderem mit CCS (Carbon Capture and Storage), also der Technologie, CO₂ abzuscheiden und im Boden zu speichern, anstatt es in die Atmosphäre zu blasen.
In Österreich steht man hier noch ziemlich am Anfang. Die Bundesregierung will das derzeit noch geltende Verbot der CO2-Speicherung aufheben. Ein Gesetzesentwurf soll bald in Begutachtung geschickt werden. In den Niederlanden, wo die Gasfelder in der Nordsee leer werden, beschäftigt man sich damit schon lange, erzählt Eby. Die ausgeförderten Felder gelten als mögliche Speicher. Die niederländische Regierung hat sich CCS als Baustein zur Erreichung der Klimaziele verschrieben, es wird auf Hochtouren geforscht, gewaltige Projekte kommen voran. Das derzeit wohl wichtigste ist Porthos im Hafen von Rotterdam. Dort soll CO₂ aus der Industrie per Pipeline zu den leeren Gasfeldern unter der Nordsee transportiert werden. Auch Eby beschäftigt sich damit. Am Mittwoch kann ich mit der Porthos-Projektdirektorin darüber sprechen. Am Donnerstag geht es dann sogar direkt zur Infrastruktur im Hafen.
Davor heißt es aber: einlesen, Routen planen, Interviewfragen zusammenstellen. Denn CCS ist umstritten. Kritiker sehen darin eine teure Ausrede, um am Status quo festzuhalten. Befürworter halten die Technologie für unverzichtbar, weil sich manche Industrien derzeit kaum anders klimaneutral machen lassen. Morgen werde ich mit einem Umweltschützer über diesen Spagat sprechen.
Außerdem steht ein Termin in Schoonschip an, einer innovativen, klimafreundlichen Nachbarschaft im Norden Amsterdams, die auf dem Wasser gebaut ist. Schoonschip ist für mich aus zweierlei Gründen relevant: Die Nachbarschaft hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben und erprobt dafür neue Lösungen, etwa ein gemeinsames Stromnetz mit Solaranlagen, Batteriespeichern und Wärmepumpen. Zudem ist sie vor dem Hintergrund der Wohnungskrise in den Niederlanden hoch interessant. Wohnraum ist hier knapp und teuer, das wird in vielen Gesprächen als das Thema genannt. Genug Stoff also für eine zweite Geschichte.
Tot gauw!