Von Robotern, menschenrechtskonformer KI und Videocalls
Hello, Tag 3! Da meine beiden Gesprächspartnerinnen des Tages aus zeitlichen Gründen Online-Calls einem persönlichen Treffen vorzogen, entschied ich mich, wieder aus dem EU-Parlament zu arbeiten und den dortigen Arbeitsbereich für Journalist:innen zu nutzen. Das Programm für den Tag war klar: Interviews vorbereiten, Videoskript schreiben, zum AI Act und Digital Services Act recherchieren und Drehorte für mein Reel scouten.
Mein neuer Lieblingsplatz im EP
Im Parlament angekommen, ging es fast routiniert durch die Sicherheitskontrolle in Richtung Press Centre zu meinem „Stammplatz“. Ja, den Schreibtisch E33 in einer der hinteren Reihen links am Fenster habe ich nun nach dem zweiten Mal offiziell für mich geclaimt. Auf dem Weg dorthin wurde ich aber zuerst noch durch komische Geräusche und eine Menschenansammlung abgelenkt. Also musste ich erst einmal auschecken, was da vor sich ging. Zu meiner Freude – und gar nicht so unpassend für mein Thema – entdeckte ich im Veranstaltungsraum „Yehudi Menuhin“ eine Live-Demonstration von 15 KI-basierten Robotersystemen. Das Event wurde von euROBIN, dem European Network of Excellence in Robotics, organisiert. Mein persönliches Highlight: ein Roboter, der den Tisch deckte.
Zwei der ausgestellten Roboter von euROBIN
Leider hatte ich nicht lange Zeit, mir die Roboter anzuschauen, denn eine halbe Stunde später stand schon mein erstes Interview des Tages mit der Bioinformatikerin und Gründerin von Women in Data Science Belgium, Dr. Setareh Tasdighian, an. Mit ihr habe ich darüber gesprochen, warum Frauen in Data Science und KI noch immer unterrepräsentiert sind – und warum es einen Unterschied macht, wer die Technologien entwickelt, die zunehmend unseren Alltag bestimmen.
Das Interview mit Dr. Setareh Tasdighian
Der Call war sehr informativ und entspannt – wenn man meine vorherige krampfhafte Suche nach einem ruhigen Ort für das Gespräch ausblendet. Denn abgesehen von ein paar schmalen Telefonkabinen, in denen man nur stehen kann und wo das WLAN nicht funktioniert, konnte ich zunächst keinen Ort finden, an dem man ungestört telefonieren kann. Noch nicht. Beim zweiten Interview kam mir nämlich die Idee, mich einfach in den leeren und, zum Glück, nicht abgesperrten Pressekonferenzraum „Anna Politkovskaya“ zu setzen. Dort sprach ich mit Nele Roekens, Projektmanagerin für Strategic Litigation on Artificial Intelligence bei Equinet, dem European Network of Equality Bodies. In unserem Gespräch konnte ich viel über konkrete Fälle algorithmischer Diskriminierung, die Schwierigkeiten für Betroffene, diese überhaupt zu erkennen, und mögliche Lücken im AI Act lernen.
Call mit Nele Roekens
Nach dem 40-minütigen Gespräch ging es für mich zurück an den Schreibtisch, wo ich den Rest des Tages damit verbrachte, den Beginn meiner Reportage zu schreiben.
Morgen steht dann wieder ein Interview in Person an der “Vrije Universiteit Brussel” an – und ich freue mich schon darauf, wieder einen neuen Ort zu sehen. Byyeee & bis bald!