Tag 5: Was hängen bleibt

Auf dem Rückweg von Sombor nach Belgrad habe ich in Novi Sad Halt gemacht. Hier ist im November 2024 das Vordach des Bahnhofs eingestürzt, 16 Menschen starben. Das Unglück hat eine Protestbewegung ausgelöst, die das Land seither nicht mehr loslässt – und die auch der Grund dafür ist, dass Serbien in wenigen Wochen wählt. Wer verstehen will, warum das Land in der Energiewende hinterherhinkt, muss auch die politische Seite verstehen.

Ich habe deswegen in Novi Sad eine Bekannte getroffen, die hier studiert. Von ihr wollte ich zwei Dinge wissen: Wie sehr beschäftigen die Wahlen die Menschen? Und wie präsent ist das Thema grüne Energie im Alltag?

Die zweite Frage war schnell beantwortet. Von Projekten zu grünem Wasserstoff hat sie noch nie etwas gehört, über erneuerbare Energie redet kaum jemand. Damit reiht sie sich in eine Erfahrung ein, die sich durch meine gesamte Recherchewoche zieht: Ein Vorhaben, das in Deutschland als Vorzeigebeispiel geführt wird, ist in Serbien praktisch unbekannt – bei Organisationen ebenso wie bei den Menschen vor Ort.

Sombor ist eine ruhige Stadt. Am Stadtrand soll eine Elektrolyseanlage entstehen – zumindest am Papier.

Länger gesprochen haben wir über die Wahlen. Ihre Einschätzung war ernüchternd. Die Protestbewegung sei zersplittert, viele wüssten nicht mehr genau, wofür sie eigentlich kämpfen. Ein Satz von ihr ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Ich glaube, wir wissen hier gar nicht, wie Demokratie funktioniert." Das ist die Perspektive einer jungen Frau, die in einem Land aufgewachsen ist, das seit Jahren als Beitrittskandidat gilt und dessen Reformen die EU-Kommission zuletzt als weitgehend stillstehend bewertete.

Zurück in Belgrad kam der Tag dann doch noch zu einem fachlichen Abschluss: Kurzfristig hat sich ein Gespräch mit einem Energieexperten ergeben. Sein Befund passt zu dem, was ich in Sombor gesucht und nicht gefunden habe, nämlich dass die Realität auf dem Papier oft eine ganz andere ist als die vor Ort.

Es fehlt jetzt nur noch ein Termin: das Gespräch mit der KfW, das ich morgen nachhole.

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