Tag 4: Pipelines, Baustellen und kein Helikopter-Flug

Heute steht der wohl wichtigste Termin für meine CCS-Geschichte an: ein Besuch im Hafen von Rotterdam. Frühmorgens fahre ich mit dem Zug nach Schiedam und treffe dort Mandy, Pressesprecherin von Porthos. Das Unternehmen baut im Hafen gerade eine Anlage zur CO₂-Speicherung, also genau jene Technologie, über die auch in Österreich diskutiert wird.

Rund eine Stunde brauchen wir mit dem Auto quer durch das Hafengelände, über 40 Kilometer ist es lang! Porthos liegt ganz am Ende, auf der Maasvlakte, einem relativ neuen, künstlich aufgeschütteten Stück Land im äußersten Westen. Das Medieninteresse an dem Projekt sei sehr groß, sagt die Pressesprecherin. Auch viele deutsche Medien waren hier, als in Deutschland begonnen wurde, verstärkt über CCS nachzudenken.

Dort angekommen, weise ich mich aus, bekomme meinen Security-Ausweis und darf aufs Gelände. Dann zeigt mir Projektleiter Reinier die Baustelle: die Kompressorstation, die Pipelines und, weit draußen im Meer, die Plattform. Das CO₂ fließt von den Unternehmen (z.B. Shell, ExxonMobil) über eine 30 Kilometer lange Pipeline zur Kompressorstation, die sie hier “das Herzstück” nennen. Von dort wird es knapp 20 Kilometer bis zur Plattform gepumpt und dann drei Kilometer tief im Meeresboden eingeschlossen. Voila!

Hinaus auf die Plattform geht es für mich nicht. Leider oder Gott sei Dank: Dafür bräuchte ich nämlich ein dreitägiges Sicherheitstraining, bei dem man unter anderem lernt, wie man sich aus einem Helikopter abseilt, erzählt Mandy. Schutzkleidung brauchen wir heute ausnahmsweise auch keine, denn ein wichtiger Bauabschnitt ist gerade abgeschlossen. Erst vor Kurzem standen an derselben Stelle übrigens der niederländische König und der deutsche Bundespräsident, erzählt Reinier. Auch sie waren an dem Projekt sehr interessiert, sagt er.

Danach geht es zurück nach Rotterdam, wo ich an meinem Artikel arbeite. Er erscheint am Sonntag im KURIER und ist nach dem heutigen Besuch so gut wie fertig. Jetzt warte ich nur noch auf die Freigabe der Zitate und die fertige Grafik.

Morgenfrüh folgt noch ein Interview zu meinem zweiten Thema, der Wohnungskrise in den Niederlanden. Dabei geht es um schwimmende Städte und die Frage, wie neuer Wohnraum in diesem dicht besiedeltem Land entstehen kann. Danach geht es zurück nach Amsterdam, wo mein Eurotours-Abenteuer begonnen hat und nun auch endet.

Damit verabschiede ich mich von diesem Blog. Danke für die großartige Möglichkeit, diese Themen nicht vom Schreibtisch in Heiligenstadt aus zu recherchieren, sondern so nah heranzukommen, wie es nur geht (Wenn man von einem Helikopterflug zur CCS-Plattform absieht. Das wäre dann eine wirklich arge Reportage geworden).

Elisabeth

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