Tag 3: Auf nach Delft und Rotterdam
Heute verlasse ich Amsterdam Richtung Süden. Der Zug bringt mich nach Delft, in die Studentenstadt zwischen Den Haag und Rotterdam. An der Technischen Universität treffe ich Andrea Ramírez Ramírez. Sie leitet das Department of Chemical Engineering und gilt als ausgewiesene Expertin für CCS, also die Abscheidung und Speicherung von CO2, und verwandte Technologien. Ich will von ihr unter anderem wissen, welche Möglichkeiten es gibt, um CO2 nicht nur beim Ausscheiden zu sammeln und zu speichern, sondern z.B. auch weiterzuverwenden.
Vieles, woran weltweit auf Hochtouren geforscht wird, steckt noch in den Kinderschuhen – etwa Projekte, die CO2 aus den Meeren fischen sollen. Trotzdem seien sie für die Klimaziele unverzichtbar, sagt Ramírez. Denn am Ende gehe es um negative Emissionen: Es reiche nicht, neue Emissionen zu senken und den Rest abzufangen. Auch das CO2, das längst in der Atmosphäre ist, müsse wieder eingefangen werden – und im besten Fall sinnvoll genutzt.
Danach spreche ich mit Gemmeke Grool. Sie leitet Porthos, das CCS-Projekt im Rotterdamer Hafen, das ich morgen besichtigen darf. Dort soll CO2 aus der Industrie in leere Gasfelder unter der Nordsee gepresst werden. Grool ist von der Technologie überzeugt, auch von ihrer Sicherheit. Doch sie weiß: Ohne Vertrauen geht es nicht. Man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen und sie auf dem Weg mitnehmen – ein Punkt, den auch Ramírez betont hat.
Nach dem Zwischenstopp in Delft fahre ich weiter nach Rotterdam, wo ich zwei Nächte bleibe. Zeit, das Material der letzten Tage zu sortieren: Interviews transkribieren, übersetzen, Fotos sichten, eine Grafik beauftragen. Diese Kleinarbeit sieht man einem Artikel am Ende kaum an – und sie frisst, wie jedes Mal, deutlich mehr Zeit als gedacht.