Tag 2: Zahlen, bitte: Wo Serbien wirklich steht

Bevor die Interviews dieser Woche starten, möchte ich euch mitnehmen in das, was meine Vorab-Recherche ergeben hat. Denn um zu verstehen, warum grüner Wasserstoff in Serbien eine so ungewöhnliche Geschichte ist, braucht es ein paar Fakten.

Fangen wir mit der Ausgangslage an: Serbien gewinnt seinen Strom bis heute überwiegend aus Kohle; der Anteil lag laut der Internationalen Energieagentur zuletzt bei über 60 Prozent. Wind und Sonne tragen dagegen nur wenige Prozent zum Strommix bei. Das ist der zentrale Engpass für grünen Wasserstoff, denn grün ist er nur, wenn der Strom für die Elektrolyse aus erneuerbaren Quellen stammt. Eine nationale Wasserstoffstrategie hat Serbien bislang nicht – es existiert lediglich ein Entwurf, der seit Jahren nicht offiziell verabschiedet wurde.

Und trotzdem tut sich etwas. Das wichtigste Vorhaben ist das Pilotprojekt HyDSerbia in Sombor: eine kombinierte Solar-Elektrolyse-Anlage. Die Leipziger Energiegesellschaft will es gemeinsam mit serbischen Partnern umsetzen. Die deutsche Bundesregierung fördert das Projekt mit rund 3,5 Millionen Euro – und zwar im Rahmen der deutschen Wasserstoffstrategie. Das Fraunhofer-Institut hat begleitend untersucht, ob sich in Serbien großindustriell Wasserstoff produzieren und exportieren ließe. Daneben gibt es zwei kleinere Initiativen in anderen Teilen des Landes. Alle Projekte haben eines gemeinsam: Es gibt viele Ankündigungen, wenige fertige Anlagen. Genau diese Lücke will ich diese Woche vermessen.

Morgen geht es für mich zur deutschen Entwicklungsbank, die Investitionen in serbische Wasserstoffprojekte fördern will. Am Abend reise ich nach Sombor, um mir vor Ort ein Bild zu machen.

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