Tag 3: Auf nach Sombor
Der dritte Tag hat anders begonnen als geplant: Mein Vormittagstermin bei der KfW, der deutschen Entwicklungsbank, musste kurzfristig verschoben werden. Zum Glück bin ich noch ein paar Tage im Land, das hole ich diese Woche nach. Also ging es stattdessen schon am Nachmittag Richtung Norden, nach Sombor.
Sombor ist der Ort, an dem HyDSerbia angekündigt wurde – das Pilotprojekt, das mich überhaupt erst nach Serbien geführt hat. Es geht um eine kombinierte Solar-Elektrolyse-Anlage. Ein deutsches Unternehmen will es mit serbischen Partnern umsetzen, das Projekt wird mit Mitteln der deutschen Wasserstoffstrategie gefördert. Der Standort ist strategisch gewählt: nahe der kroatischen und ungarischen Grenze, direkt am Donaukorridor. Von hier wäre es nicht weit in die EU. Läuft das Projekt wie geplant, soll auch Deutschland aus Sombor grünen Wasserstoff bekommen.
Was mich hierher zieht, ist eine Beobachtung, die sich in den vergangenen Tagen immer deutlicher abgezeichnet hat. Auf meine Anfragen reagieren selbst viele große Organisationen überrascht. Viele haben von dem Projekt noch nie gehört. Ein Vorhaben, das auf der Website eines deutschen Bundesministeriums als Vorzeigebeispiel geführt wird, ist im Land selbst kaum bekannt. Deshalb will ich in Sombor wissen: Was sagen eigentlich die Menschen vor Ort dazu? Wissen sie überhaupt davon?
Auf dem Weg dorthin, am Busbahnhof von Novi Sad, ist mir etwas aufgefallen: ein E-Bus. Es war das erste elektrische Fahrzeug, das ich in Serbien überhaupt gesehen habe. Das sagt viel über den Stand der Dinge in einem Land, dessen Strom bis heute überwiegend aus Kohle stammt und in dem Wind und Sonne nur wenige Prozent des Strommixes ausmachen. Vielleicht schaue ich vor meiner Abreise noch bei BYD in Belgrad vorbei und frage nach, wie deren Geschäft hier eigentlich läuft.
Fast 72 Stunden in Serbien hat es gebraucht, bis ich das erste E-Fahrzeug entdeckt habe.
Eine kleine Randnotiz zum Schluss: Ich bin sehr froh, dass ich Kyrillisch lesen kann und halbwegs gut Slowenisch spreche. Beides hilft enorm, um Schilder, Aushänge und den Kern eines Gesprächs zu verstehen. Übermorgen unterstützt mich eine Freundin bei der exakten Übersetzung – und vor allem dabei, den serbischen Blickwinkel zu verstehen.