Tag 4: Die Suche nach einer Anlage, die niemand kennt
Ich war heute den ganzen in Sombor auf Spurensuche, im Norden Serbiens, nahe der ungarischen und kroatischen Grenze. Hierher hat mich dieses Projekt geführt: HyDSerbia, eine geplante Solar-Elektrolyse-Anlage, gefördert von der deutschen Bundesregierung mit rund 3,5 Millionen Euro. Auf der Website des deutschen Wirtschaftsministeriums wird sie als Praxisbeispiel der nationalen Wasserstoffstrategie geführt. Der Förderzeitraum lief von Dezember 2022 bis Juni 2026. Ich bin nach Sombor gefahren, um zu sehen, was daraus geworden ist. Das Ergebnis meines Tages: nichts.
Ich habe die öffentlichen Register durchsucht, in denen in Serbien Bauanträge, Standortgenehmigungen und Unternehmensgründungen erfasst werden. Ich habe mich vor Ort umgesehen. Ich habe Menschen gefragt. Und ich habe recherchiert, was serbische Medien über das Projekt berichtet haben. Das Ergebnis ist in allen vier Fällen dasselbe: Es gibt kaum Spuren.
Hier in Sombor habe ich niemanden gefunden, der von einem Wasserstoffprojekt in der Region gehört hat.
Besonders aufschlussreich fand ich die Medienrecherche. Serbische Wirtschaftsmedien haben im November 2024 über HyDSerbia berichtet. Praktisch hatten alle dieselbe Quelle, alle auf Basis deutscher Quellen. Ein Fachportal schrieb damals ausdrücklich, dass es in Serbien offiziell bislang nicht viele Informationen zu dem Projekt gebe. Der Standort wurde in diesen Berichten gar nicht genannt. Dass es Sombor sein soll, taucht erst 2025 auf, in einem Bericht der deutschen Außenwirtschaftsagentur und bei einer Veranstaltung der deutsch-serbischen Handelskammer. In den Lokalmedien habe ich keinen einzigen Beitrag dazu gefunden.
Ein Detail aus der deutschen Projektbeschreibung ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Als Motivation wird dort die Entwicklung des serbischen Wasserstoffmarkts genannt – als ausländischer Markt von strategischer Bedeutung für die deutsche Importstrategie. Das ist offen formuliert und wirft die Frage auf, die meine Recherche von Anfang an begleitet: Für wen wird hier eigentlich gebaut – wenn denn überhaupt etwas gebaut wird?
Die Antworten hole ich mir in den kommenden Tagen. Diese Woche spreche ich noch mit einem Energieexperten aus Belgrad und hole den verschobenen Termin bei der deutschen Entwicklungsbank KfW nach.