Tag 3: Sonne, Smørrebrød und sehr viele Fahrräder

Mein letzter Vormittag in Randers begann noch einmal mit Arbeit. Bei der Digital Marketing Agentur Conmedia treffe ich Magnus Vinther zum Interview. Das junge Unternehmen zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie man versucht, Fachkräfte mit Unternehmenskultur, Gemeinschaft und Entwicklungsmöglichkeiten für einen Standort wie Randers zu begeistern.

Magnus arbeitet seit fünf Jahren für Conmedia und lebt mit seiner Familie in Randers, nachdem er in Aarhus studiert hat.

Danach blieb noch ein bisschen Zeit, um die Sonne in Randers zu genießen, bevor es hieß: Koffer packen und weiter. Rund dreieinhalb Stunden Zugfahrt lagen zwischen mir und meiner nächsten Station Kopenhagen.

Mit dem Zug ging es über Storebæltsbroen - eine 18 Kilometer lange Verbindung in Dänemark, die die Inseln Seeland und Fünen überquert.

Und Kopenhagen machte es mir mit dem Ankommen ziemlich leicht. Warmes, sonniges Herbstwetter und blauer Himmel - nicht unbedingt das, was ich Ende September in Dänemark erwartet hatte.

Nach dem Check-in im Hotel machte ich mich deshalb gleich wieder auf den Weg. Vom Rathausplatz ging es ohne großen Plan durch die Straßen der Stadt bis nach Nyhavn, dem bekannten historischen Hafen mit seinen bunten Häusern und zahlreichen Lokalen direkt am Wasser.

Nyhavn - die bunten Häuser sind ein typisches Merkmal von Kopenhagen.

Schon nach den ersten Stunden fällt auf, wie jung und lebendig Kopenhagen ist. Überall sind junge Menschen unterwegs, auffallend viele Familien mit Kindern - und natürlich Fahrräder. Sehr, sehr viele Fahrräder.

Was andernorts schnell chaotisch wirken würde, scheint hier völlig selbstverständlich zu funktionieren. Fahrräder sind kein Anhängsel des Verkehrs, sondern ein ganz normaler Teil davon. Und auch sonst spielt sich das Leben erstaunlich stark draußen ab. Die Gastgärten sind voll, vor den Lokalen sitzen die Menschen im Freien und wenn es kühler wird, helfen eben Wärmelampen nach.

Spätestens in Nyhavn war dann auch der kulinarische Pflichtpunkt des Tages fällig: Smørrebrød. Und ja, es war sehr sehr lecker.

Smørrebrød mit Fisch - MUSS man gegessen haben!

Mein erster Eindruck von Kopenhagen nach ein paar Stunden ist jedenfalls ziemlich eindeutig. Eine wunderschöne, saubere Stadt mit unglaublich freundlichen Menschen. Dazu kommt dieses Gefühl, sich auch als Fremde sofort sicher und wohlzufühlen.

Morgen wird aus dem ersten Eindruck wieder Recherche. Am Vormittag treffe ich Monica Magnussen, von der Stadt Kopenhagen, bei einem gemeinsamen Spaziergang durch das Hafengebiet. Dabei geht es vor allem darum, wie Stadtentwicklung und Lebensqualität zusammenhängen.

Am Nachmittag treffe ich Hanne Kirstine Andersen von der Danish School of Education. Mit ihr möchte ich eine Frage vertiefen, die mir in Randers immer wieder begegnet ist: Warum zieht es junge Menschen zum Studium in die großen Städte - und was braucht es, damit sie später wieder in kleinere Städte und Regionen zurückkehren? Andersen forscht unter anderem zu geografischer Ungleichheit, Mobilität und Zugehörigkeit und beschäftigt sich damit, welche Rolle Bildungsinstitutionen für die Entwicklung ländlicher Regionen spielen können.

Nach meinen ersten Stunden in Kopenhagen bin ich jedenfalls gespannt, welche Antworten die beiden auf eine Frage haben, die mich auf dieser Reise immer stärker beschäftigt: Was macht einen Ort zu einem Ort, an dem Menschen nicht nur arbeiten, sondern auch leben wollen?

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