Tag 2: Es kann jeden treffen
Zu Mittag treffe ich Savannah. Was sie berichtet, ist schwer verdaulich. Seit fast zwei Jahren gilt sie als offiziell obdachlos und lebt mit ihrem Sohn in einer sozialen Unterkunft der Stadt. Der Grund: Sie habe sich ihre Miete nicht mehr leisten können. Diese sei in kurzer Zeit von 1300 auf zunächst 1800 und schließlich 2000 Euro angestiegen - bis ihr Vermieter schließlich bekanntgab die Wohnung verkaufen zu wollen. Eine neue Wohnung zu finden, gelang der heute 29-Jährigen nicht. “Ich bin dankbar, aber es fühlt sich ein bisschen wie ein offenes Gefängnis an”, erzählt sie über die temporäre Unterkunft. Nach zwei Jahren Wartezeit kann sie gemeinsam mit ihrem Sohn im Herbst endlich wieder eine eigene Wohnung beziehen: “Das ist wie ein Lottogewinn.”
Savanna (29) ist eine der über 17.000 Betroffenen der Housing Crisis.
Unterstützung erhielt sie dabei von “Focus Ireland”, einer gemeinnützigen Organisation, die Dienstleistungen für obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen in Irland anbietet. “Das System ist voll", sagt Mike Allen, Director of Advocacy, Research and Communications, über die Situation. Treffen könne es jede und jeden: “Es sind oft eine Summe an ungünstigen Umständen, gekoppelt mit wenig verfügbaren Wohnraum”. Obdachlosigkeit in Dublin sei dabei nicht auf die sogenannten “Rough Sleepers”, also Menschen auf der Straße begrenzt. 17.482 Personen sind im Juni 2026 in Notfallunterkünften untergebracht gewesen: “Die genaue Zahl von Betroffenen ist demnach viel höher, da es sich hier wirklich nur um die Menschen in den offiziellen Unterkünften handelt”, so Allen.
Ein weiteres Problem: der soziale Wohnbau komme dem enormen Bedarf trotz Bemühungen nicht nach, weshalb der Staat verstärkt auf private Vermieter angewiesen ist. Einige davon verlassen aber zunehmends den Mietmarkt und verkaufen ihr Eigentum, wie jener Vermieter von Savannah, - was Mieterinnen und Mieter in Bedrängnis bringt.