Tag 2: Transformationsinfrastrukturen-Index und andere komplizierte Wörter

Schon an meinem zweiten Tag in Duisburg muss ich weiter in eine andere Stadt. Ich fahre nämlich nach Köln, wo ich am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den politischen Ökonom Matthias Diermeier treffe. Er hat die gestern erwähnte Studie verfasst, nach der Duisburg-Walsum der am stärksten von Strukturwandel betroffene Bezirk Deutschlands ist. Sie heißt Transformationsinfrastrukturen-Index. Ein Zungenbrecher.

Die Fahrt von Duisburg nach Köln dauert nur 38 Minuten, im Ruhrgebiet ist alles nicht so weit voneinander weg. Im IW-Gebäude am Konrad-Adenauer-Ufer, unweit vom Bahnhof, empfängt mich Diermeier im Foyer. Er trägt ein hellgraues Hemd und seine braunen Haare zu einem Dutt gebunden.

Von Diermeier möchte ich mehr über die Studie erfahren. Warum ist Duisburg-Walsum auf dem Transformationsinfrastrukturen-Index auf Platz 1? Den größten Anteil daran hat die Stahlindustrie, sagt Diermeier. Denn der Index misst, welche Transformationsmaßnahmen bereits in Planung sind und welche noch nötig werden, wenn die Industrie erhalten werden soll – nur klimaneutral. Und da braucht es in der Stahlindustrie im Norden Duisburgs besonders viele Investitionen. Vor allem Wasserstoffleitungen müssen gebaut werden, denn damit die Stahlindustrie anstatt von Kohle von grünem Wasserstoff getragen wird, muss Duisburg ans Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden.

Diermeier untersuchte außerdem noch, wie die Bevölkerung solche Transformationsmaßnahmen aufnimmt. Das Ergebnis: Erstaunlich gut. Zumindest solange die Wasserstoffleitungen und Windparks nicht vor der eigenen Haustüre gebaut werden. Wenn doch, dann hilft zumindest transparente Kommunikation, um die Akzeptanz zu steigern. Außer bei AfD-Sympathisanten, denn die haben so oder so eine starke Grundablehnung gegenüber Dekarbonisierungsmaßnahmen.

Nach meinem Interview mit Diermeier war dann auch noch ein bisschen Zeit, am Rheinufer den Sonnenuntergang zu genießen, bevor es dann wieder zurück nach Duisburg ging.

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Tag 2: Wie krank macht das Stahlwerk?