Tag 2: Wo der ESC langsam sichtbar wird

Am zweiten Tag möchte ich wissen, was die Menschen in Burgas selbst vom Eurovision Song Contest halten. Dafür mache ich mich auf den Weg zur Burgas Free University. Heute beginnt dort das neue Studienjahr – entsprechend stehen vor dem Gebäude genügend Studenten herum, die ich mit meinen Fragen belästigen kann. Der Weg dorthin führt mich durch die Fußgängerzone. Fast gegenüber von Billa steht ein A1-Shop. Es könnte auch St. Pölten sein – nur ist der Weg zum Meer in Burgas deutlich kürzer.

Vor der “Burgas Free University” ist am ersten Tag des Semesters Einiges los.

Vor der Universität treffe ich auf unterschiedliche Erwartungen. Ivaneta aus der Region Burgas freut sich auf den Wettbewerb und glaubt, dass er zusätzliche Touristen bringen wird. Eine andere Studentin erzählt mir, Freunde aus Griechenland hätten bereits angekündigt, zum ESC kommen zu wollen. Schließlich sei ich selbst sogar aus Österreich angereist.

Am ausführlichsten spricht Stiliyan mit mir. Er stammt aus Burgas, studiert inzwischen aber im Vereinigten Königreich – und sieht die Sache kritischer. Er hält die Arena für zu klein und bezweifelt, dass der Song Contest der Region langfristig einen großen wirtschaftlichen Effekt bringen wird.

Am Nachmittag möchte ich sehen, wie die Stadt selbst darüber denkt. Hristiana Dimitrova und Simeon Kanev von der Stadt Burgas zeigen mir die Orte, an denen der Eurovision Song Contest stattfinden und in der Stadt zu spüren sein soll.

Hristiana und Simeon sind Mitarbeiter der Stadt Burgas und zeigen mir alles.

Los geht es an der 2021 eröffneten Arena Burgas. Von außen wirkt sie gerade noch nicht wie der Schauplatz eines der größten TV-Ereignisse Europas. Doch die beiden betonen ihre gute Erreichbarkeit – und dass der ESC ohnehin weit über die Halle hinausgehen soll.

Wir fahren zum Sea Garden und zum Strand, laufen später durch die Innenstadt und ich lande wieder am Troikata-Platz: Wo im Winter der Weihnachtsmarkt stattfindet, soll im Mai ebenfalls Eurovision-Stimmung herrschen. Auch der Sea Garden soll Teil davon werden.

Eine besonders schöne ESC-Spur wartet dann doch im Innenhof des ethnografischen Museums. Dort legen wir eine Pause ein, während ein Porträtmaler mich zeichnet. Neben seiner Staffelei steht bereits ein anderes Werk: Bürgermeister Dimitar Nikolov – mit der Eurovision-Trophäe in der Hand.

„Als man sich für Burgas entschieden hat, sind wir vor die Tür des Rathauses und haben eine Party gefeiert“, erzählt mir Simeon. Dass seine Stadt Erfahrung mit großen Veranstaltungen habe, helfe bei den Vorbereitungen. „Aber das ist natürlich etwas Besonderes.“ Auch die Größe von Burgas soll dabei kein Hindernis sein: Die Stadt arbeitet mit den umliegenden Orten zusammen, wenn es zum Beispiel um zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geht.

Nach dem Rundgang kann ich mir jedenfalls schon deutlich besser vorstellen, wie aus dem beschaulichen Burgas im kommenden Mai für einige Tage eine europäische Musikmetropole werden soll.

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Tag 1: Eurovision by the Beach