Tag 2: Zahlen, Daten, Fakten
An meinem zweiten Tag in Barcelona wollte ich den Zahlen des Regularisierungsprogramms auf den Grund gehen und verabredete mich deshalb mit dem Migrationsökonom Jesús Fernández-Huertas Moraga von der Madrider Universität Carlos III. Die knapp sieben Stunden Autofahrt zwischen Madrid und Barcelona sparten wir uns, indem wir uns online trafen. Fernández-Huertas beschäftigt sich in seiner Arbeit damit, welche Faktoren bestimmen, ob und wohin Menschen migrieren.
Die meisten Ursachen internationaler Migration hängen mit schlechten wirtschaftlichen Bedingungen und/oder Kriegen im Herkunftsland zusammen. Im Falle von Spanien komme laut Fernández-Huertas hinzu, dass Migration hier besonders stark auf wirtschaftlich gute Bedingungen reagiere. Das liege am spanischen Arbeitsmarkt, der bei wirtschaftlichem Wachstum schnell handle und rasch neue Arbeitsplätze schaffe. Dabei spielt vor allem die kulturelle und sprachliche Ähnlichkeit zu Lateinamerika eine Rolle, die Spanien als Einwanderungsland besonders für Lateinamerikaner und Lateinamerikanerinnen attraktiv macht. Im zweiten spanischen Migrationsboom, wie Fernández-Huertas die Zeit von 2014/15 bis jetzt nennt, stammen bis zu 80 % der Migrantinnen und Migranten aus Lateinamerika. Das machte sich auch beim aktuellen Regularisierungsprogramm bemerkbar: 67 % der Anträge kamen aus Lateinamerika, allein Kolumbien machte fast ein Viertel davon aus (25,9 %).
Besonders eine Frage treibt mich um: Kann man diese Regularisierungswelle schon am Arbeitsmarkt und in den Sozialkassen ablesen? Aktuelle Zahlen, die die ganze Regularisierungsperiode erfassen, gibt es laut Fernández-Huertas noch nicht, es müssen erst einmal alle Anträge bearbeitet werden. Typischerweise kämen diese Zahlen immer mit ein wenig Verzögerung. Ich bleibe also gespannt, was sich in den offiziellen Zahlen bis zum Ende meiner Recherche tut.