Tag 3: Simonas Geschichte

Heute möchte ich euch Simonas Geschichte erzählen. Sie ist eine Mutter, deren Sohn mit einer extrem seltenen genetischen Erkrankung lebt und die seit Jahren für den Gesundheitsschutz in Taranto kämpft. Ich treffe sie in einem Café im Zentrum. Und wir kommen sofort ins Gespräch, fast so, als hätten wir uns nicht gerade erst kennengelernt.

Simonas Sohn Andrea kam vor 13 Jahren mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt und musste gleich nach seiner Geburt auf die Intensivstation. In den darauffolgenden Jahren entwickelten sich weitere gesundheitliche Probleme. Die Suche nach einer Diagnose führte die Familie schließlich bis nach Bologna, wo Andrea im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts untersucht wurde.

Erst Jahre später war klar: Andrea leidet an einer seltenen genetischen Mutation, deren gesundheitliche Folgen bis heute nicht vollständig erforscht sind. Er hat außerdem unter anderem Epilepsie und Diabetes. Regelmäßige Untersuchungen und Fahrten zwischen Taranto und Bologna prägen also den Familienalltag.

Simona und ihr Sohn Andrea

Seit sechs Jahren gehören Simona und Andrea der Bürgerinitiative „Genitori Tarantini“ an, die hier vor Ort tätig ist und sich für die Umwelt und gegen die Folgen der schweren Industrieverschmutzung einsetzt. Simona hat Hunderte Demonstrationen organisiert.

Gemeinsam mit zehn weiteren Betroffenen – darunter ihr eigener Sohn – beschreitet sie auch den Rechtsweg: Nach fünf Jahren juristischer Auseinandersetzungen erreichten die Kläger:innen im Juli dieses Jahres endlich eine Gerichtsentscheidung, die eine Stilllegung der Heißproduktion des Stahlwerks mit Ende Oktober vorsieht. Das Verfahren ist allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen und es ist noch nicht bekannt, wann eine Entscheidung fallen wird.

Auf meine Frage, welche Zukunft sie sich für Taranto wünscht, antwortet Simona: „Ich wünsche mir eine Zukunft ohne Giftstoffe, in der junge Menschen hierbleiben und nicht anderswo nach Arbeit suchen müssen.“

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